VIO.ME.: Ihr könnt nicht? Wir können! Video: Diakoptes
Untertiteln: labournet.tv
Der Kampf um Selbstverwaltung der Vio.Me
- Organisiere dich
an deinem Arbeitsplatz, deiner Nachbarschaft, deiner Stadt! Förderung der
realen sozialen Eigenverwaltung, ohne irgendeiner Notwendigkeit für Vermittler,
professionelle Politiker oder Bürokraten! Forme Genossenschaften und
Nachbarschaftsversammlungen, schütze das gemeinsame Wohl, fördere eine neue Kultur
auf Nähe, gegenseitige Anerkennung und Solidarität!
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Die Unterzeichnenden, Mitglieder und Nichtmitglieder der Arbeitergewerkschaft von Viomichaniki Metaleftiki, stimmen in Folgendem überein:
1.Wir übernehmen den Betrieb der Fabrik unter der Bedingung
voller Selbstverwaltung und ArbeiterInnenkontrolle, sowohl was die Produktions-
als auch die Verwaltungsstrukturen betrifft. Grundlegend und zentral für den
Betrieb der Fabrik, für die Weiterführung unseres Kampfes und unsere Pläne für
die Zukunft ist das Prinzip der Gleichheit in der Teilhabe und der
Entscheidungsfindung, das Prinzip horizontaler und direkter Demokratie. Jede
Form von Differenzierung, schlechter Behandlung, Ausgrenzung und
Fremdbestimmung ist unvereinbar mit unserem Vorhaben und jede nur erdenkliche
Anstrengung muß erfolgen, um ein solches Benehmen und solche Praktiken zu
vermeiden, die Hindernisse für unsere Emanzipationsbestrebungen schaffen.
7. Nach sorgfältigem Abwägen und nachdem sichergestellt ist,
dass alle wesentlichen Faktoren in der Diskussion erörtert worden sind, kann
der Arbeitsplatz jeder/s Einzelnen durch die Vollversammlung festgelegt werden.
Sie/er kann ihre/seine Einwände vorbringen, muss sich aber den Empfehlungen der
Vollversammlung fügen. Darüber hinaus sollte jedeR ArbeiterIn lernen- soweit
das machbar ist- an jedem Arbeitsplatz, an den er/sie gebeten worden ist, zu
arbeiten, für den sie/er als unabkömmlich erachtet wird.
Untertiteln: labournet.tv
Der Kampf um Selbstverwaltung der Vio.Me
Die Arbeiter
Vio.Me., ein Baustoff-Fabrik in Thessaloniki, Griechenland, die von ihren
Besitzern aufgegeben wurde, sind seit Mai 2011 nicht bezahlt. Mit Beschluss der
Generalversammlung haben sie beschlossen, die Fabrik zu besetzen und unter
direkter demokratischer Arbeiterkontrolle zu betreiben. Nach einem Jahr langen
Kampfes, der Aufmerksamkeit und Solidarität in Griechenland und weltweit
aufgeweckt hat, haben sie am 12. Februar 2013 und nach 3 Tagen intensiver Mobilisierung,
mit der Produktion begonnen.
Was können Sie
tun, um zu helfen?
- Verbreiten Sie
die Mitteilung! Leiten Sie diese Information an Ihre Freunde, Kontakte und
Organisationen weiter. Unser Zeichen gegen Repression ist unsere Verbindung mit
der Gesellschaft! Das Geheimnis unseres Erfolgs sind starke
Gemeinschaftsbeziehungen!
- Wirtschaftlich
Mitmachen! Die Herstellungskosten sind hoch und die ersten paar Monate werden
entscheidend sein. Die Arbeiter haben einen soliden Business-Plan und sind sehr
optimistisch, was den Erfolg der Bemühungen betrifft, dennoch wird es einige
Zeit dauern, bevor sie auf dem Markt konsolidiert werden. Lasst uns alle
mitmachen, um es zu verwirklichen! Verwenden Sie den "Donate"-Button
oben, jeder Betrag ist nützlich!
- Organisiere dich
an deinem Arbeitsplatz, deiner Nachbarschaft, deiner Stadt! Förderung der
realen sozialen Eigenverwaltung, ohne irgendeiner Notwendigkeit für Vermittler,
professionelle Politiker oder Bürokraten! Forme Genossenschaften und
Nachbarschaftsversammlungen, schütze das gemeinsame Wohl, fördere eine neue Kultur
auf Nähe, gegenseitige Anerkennung und Solidarität!
- Richten Sie Ihre
Fragen oder Solidaritätserklärungen an die Offene Solidaritätsinitiative Thessalonikis:
protbiometal@gmail.com. Die Arbeiter werden die Wärme der Solidarität aus dem
Ausland dankbar entgegennehmen!
Ankündigung der Gewerkschaft von VIO.ME für die Wiederinbetriebnahme der Fabrik
PRIVATE VEREINBARUNG FÜR DIE SELBSTVERWALTUNG UND DIE
ARBEITERINNENKONTROLLE DER FABRIK
Die Unterzeichnenden, Mitglieder und Nichtmitglieder der Arbeitergewerkschaft von Viomichaniki Metaleftiki, stimmen in Folgendem überein:
1.Wir übernehmen den Betrieb der Fabrik unter der Bedingung
voller Selbstverwaltung und ArbeiterInnenkontrolle, sowohl was die Produktions-
als auch die Verwaltungsstrukturen betrifft. Grundlegend und zentral für den
Betrieb der Fabrik, für die Weiterführung unseres Kampfes und unsere Pläne für
die Zukunft ist das Prinzip der Gleichheit in der Teilhabe und der
Entscheidungsfindung, das Prinzip horizontaler und direkter Demokratie. Jede
Form von Differenzierung, schlechter Behandlung, Ausgrenzung und
Fremdbestimmung ist unvereinbar mit unserem Vorhaben und jede nur erdenkliche
Anstrengung muß erfolgen, um ein solches Benehmen und solche Praktiken zu
vermeiden, die Hindernisse für unsere Emanzipationsbestrebungen schaffen.
2. Unser oberstes Organ ist die Vollversammlung der
ArbeiterInnen. Es ist als Organ errichtet und entscheidet sowohl auf
allgemein-programmatischer Ebene als auch auf der Ebene spezifischer
Angelegenheiten. Sie hat auch das Recht, einzelne Mitglieder zu
bevollmächtigen, die Gewerkschaft zu repräsentieren; im Zusammenhang mit
speziellen Vorgängen, wie auch um spezifische, genau umschriebene
Angelegenheiten zu behandeln. All jene, die die Verantwortung haben, die
Vollversammlung zu vertreten oder spezifische Angelegenheiten abzuwickeln,
müssen detaillierte Rechenschaft über ihre Aktivitäten ablegen.
3. Die Teilnahme an den Vollversammlungen ist für alle
Mitglieder verpflichtend.
4. Die von der Vollversammlung getroffenen Entscheidungen
sind für alle bindend und die Umsetzung diese Beschlüsse ist auch
verpflichtend, unabhängig davon, ob jemand persönlich mit ihnen übereinstimmt
oder nicht.
5. Falls eine Entscheidung als falsch oder nicht umsetzbar
eingeschätzt wird, egal ob von einer/m einzelnen oder einer Gruppe, dann soll
sie in die Vollversammlung gebracht werden und es ist dann die Vollversammlung,
die entscheidet, ob sie verändert, reformiert oder beibehalten wird. In jedem
Fall bleibt eine solche Entscheidung für alle bis zur nächsten Diskussionsversammlung
bindend und bis dahin wird von allen erwartet, das zur Umsetzung Notwendige zu
tun. Im Falle der Nichtbefolgung einer bereits getroffenen Entscheidung wird
die Vollversammlung Sanktionen festlegen, die von einer einfachen Verwarnung über
eine zeitweilige Entlassung oder, in schweren Fällen, zum Rauswurf der
nichtkooperativen Person reichen können.
6. Neben der Teilnahme an der Entscheidungsfindung und dem
Planen der Strategie der Fabrik unter ArbeiterInnenkontrolle beinhaltet das
Gleichheitsprinzip auch die Teilhabe an Verlusten und Gewinnen der Fabrik.
7. Nach sorgfältigem Abwägen und nachdem sichergestellt ist,
dass alle wesentlichen Faktoren in der Diskussion erörtert worden sind, kann
der Arbeitsplatz jeder/s Einzelnen durch die Vollversammlung festgelegt werden.
Sie/er kann ihre/seine Einwände vorbringen, muss sich aber den Empfehlungen der
Vollversammlung fügen. Darüber hinaus sollte jedeR ArbeiterIn lernen- soweit
das machbar ist- an jedem Arbeitsplatz, an den er/sie gebeten worden ist, zu
arbeiten, für den sie/er als unabkömmlich erachtet wird.
8. Alle, die das jetzige Übereinkommen unterzeichnen,
verpflichten sich, dass sie die Informationen (entweder in der Vergangenheit
von ihnen erworbene oder in der Zukunft auf jede mögliche Art, und besonders
durch den Prozess der Repräsentation der Gewerkschaft bei Betrieben, privaten
Individuen oder allen anderen öffentlichen oder privaten Einrichtungen), die
für das Betreiben der Fabrik, für das Planen von Produktions- und politischen
Zielen und für die gegenseitigen Beziehungen für wichtig erachtet werden, der
Vollversammlung mitteilen. Keinesfalls dürfen sie zurückgehalten werden, um so
kollektiv bewertet und verwendet werden zu können.
Die oben aufgeführten Punkte der Übereinkunft sind die
grundlegenden Prinzipien für das Betreiben der Fabrik gemäß ihrer
Selbstverwaltung unter ArbeiterInnenkontrolle. Respekt, auf prinzipieller als
auch praktischer Ebene, stellt eine Verpflichtung für uns alle dar, die das
jetzige Dokument unterzeichnen, das nur geändert werden darf, falls die
Vollversammlung Änderungen für notwendig erachtet. In diesem Fall wird ein neue
Übereinkunft entworfen und von allen unterzeichnet.
Liebe KollegInnen und GenossInnen,
Wir würden euch gerne darüber informieren, was die
ArbeiterInnen von VioMe für den Zeitraum von jetzt bis Februar planen.
Der obige Text beinhaltet die Prinzipien, denen die
TeilnehmerInnen des Unternehmens der ArbeiterInnenkooperative von VioMe
zugestimmt haben und die sie unterzeichnet haben.
Bei dem Treffen mit dem Minister im Arbeitsministerium haben
wir insbesondere darauf hingewiesen, dass es bereits 20 Monate her ist, dass
wir dem Ministerium gewisse Forderungen unterbreitet haben, und dass wir noch
immer keine Antwort darauf haben. Es hat auch keinerlei Fortschritte bezüglich
einiger Fälle gegeben, wo das Ministerium scheinbar eine Initative gesetzt
hatte, um Hindernisse seitens anderer Ministerien aus dem Weg zu räumen.
Wir haben ihm gegenüber betont, dass, soweit es uns
betrifft, der Staat ein Ganzes ist und nicht aus einer Summe einzelner
Ministerien besteht, und wir auch nicht warten können.
Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir verzweifelt sind
und wir sehen, dass wir nichts mehr verlieren können, was wir nicht ohnehin
schon verloren haben.
Daher haben wir den Minister informiert, dass wir mit dem
Betrieb der Fabrik beginnen werden, ohne uns um irgendwelche Konsequenzen zu
kümmern, denn wir glauben, dass der jetzige Zustand der Schlimmstmögliche ist.
Liebe KollegInnen, im Rahmen unserer
Generalversammlung haben wir, die ArbeiterInnen von BIO.ME, beschlossen, dass
die einzige Lösung gegen den "Tornado" die ist, in unserer
Eigenschaft als ArbeiterInnen direkt die Kontrolle über die Produktion zu
übernehmen und die Verantwortung zu übernehmen, die Abläufe der Fabrik mittels
unserer ArbeiterInnen-Generalversammlung zu dirigieren. Momentan arbeitenden
Menschen, die Arbeitslosen, diejenigen, die gewerkschaftlich organisiert sind
und die, die es nicht sind dazu auf, eine Haltung einzunehmen und ihre Meinung
mitzuteilen zu einem Punkt, der eine wirkliche Notwendigkeit wird.
Wir haben unsere eigene Antwort
gegeben; wir wollen unsere Jobs zurück, wir wollen unsere Leben, wir wollen
unsere Würde. Wenn das als irrational abgetan wird, ja, dann sind wir
irrational! Wenn es gesetzwirdrig erachtet wird, ja, dann verhalten wir uns
gesetzwidrig! Wenn es als undurchführbarer Traum abgetan wird, ja, wir sind
unterwegs zu unseren Traum, und dazu, fähig zu werden, die Existenz unserer
Familien zu sichern!
Wir rufen die
Nachbarschaftsversammlungen der EinwohnerInnen, die verschiedenen Kollektive,
die politischen Organisationen, die Gewerkschaften, die Jugendzentren dazu auf,
ihre eigene Antwort zu geben!
Wir rufen alle auf, die noch aufrecht
gehen und hoffen können, wir sagen ihnen: Ja, es gibt keinen Grund für unsere
Kinder, wegzuziehen, um im Ausland ein besseres Leben zu finden; es ist nicht
notwendig, unterwürfig zu sein, nur damit mensch einen Job findet. Ihr müsst
nicht zu BettlerInnen werden, um überleben zu können!
Gebt eine Antwort auf den Punkt, den
wir heute weiterbringen!
Steht auf und sprengt die Ketten, die
euch fesseln! Macht den Kopf auf, den Mund und gebt eine Antwort!
Die
Generalversammlung der Gewerkschaft der ArbeiterInnen/Beschäftigten von BIO.ME.
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BIO.ME: Das Gesetz ist das Recht der ArbeiterInnen, nicht der Bourgeoisie
Interview mit Makis Anagnostou, Vorsitzender
der ArbeiterInnengewerkschaft von Viomichaniki Metaleftiki (BIO.ME) mit der
Zeitschrift Nea Prooptiki (Neue Perspektive)
Der Kampf von BIO.ME ist zweifellos einer der
wichtigsten Arbeitskämpfe in Griechenland in der jetzigen Situation. Die Fabrik
wurde von ihren Eigentümern verlassen und die ArbeiterInnen, die seit Mai 2011
keine Löhne mehr erhalten haben, weigern sich, sich mit der Vorstellung von
Arbeitslosigkeit abzufinden. Sie kämpfen darum, die Produktion zu übernehmen
und so im Kern ArbeiterInnenselbstverwaltung als eine Antwort auf
Betriebsschließungen und Entlassungen im bankrotten kapitalistischen
Griechenland aufzuwerfen.
M.A: Seit dem letzten Interview, das wir
gegeben haben, haben sich viele Dinge geändert. Wir haben Entscheidungen
getroffen, die zuvor nicht Teil unseres Kampfes waren. Bis zu einem gewissen
Zeitpunkt haben wir uns ausschließlich auf gesetzlichem Boden bewegt, aber das
hat sich für uns als zu langwierig herausgestellt. Daher hat die Versammlung
beschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Der ist auch legitim, aber in dem
Sinn, dass das Gesetz das Recht der ArbeiterInnen, nicht der Bourgeoisie ist.
N.P. Euch werden seit Mai 2011 die Löhne nicht
mehr bezahlt, zugleich war September der letzte Monat, in dem ihr Anspruch auf
Arbeitslosengeld hattet, das ihr von der `Organisation für die Beschäftigung
von Arbeitskräften` bekommen habt. Wie überlebt ihr unter diesen Umständen?
M.A. Wir überleben kaum, wenn man das
überhaupt überleben nennen kann.Es ist richtig, dass das Ministerium ein
gewisses Interesse für einige Härtefälle gezeigt hat. Aber diese Hilfe ist eine
Art Barmherzigkeit und bietet keine Lösungen für das eigentliche Problem, der
Arbeitslosigkeit. Wir wollen Arbeit, nicht Barmherzigkeit.
N.P. Könntest du uns etwas über die Reaktion
der Leute auf euren Kampf und über die Solidarität, die ihr bekommen habt,
erzählen?
Es gibt Hilfe aus ganz Griechenland und auch
aus dem Ausland. Natürlich sind die meisten Menschen, die uns unterstützen,
selbst arm. Es sind weder große Verlage noch große Betriebe. Es sind normale
Leute, ArbeiterInnen, einige arbeiten und wahrscheinlich sind heute die meisten
von denen, die uns mit dem wenigen, das sie haben, unterstützen, selbst
arbeitslos. Die einen bringen uns eine Packung Spaghetti oder getrocknete
Bohnen, andere geben uns zwei € als finanzielle Unterstützung. Aber sogar diese
kleinen Hilfen sind sehr wichtig für uns, weil sie uns die Kraft und den Mut
geben, weiterzumachen.
N.P. Es gibt einen Teil der `Linken`, der euch
beschuldigt hat, dass ihr mit euren Bestrebungen, die Kontrolle über die Fabrik
zu übernehmen, versucht, selbst kleine Kapitalisten zu werden. Was antwortet
ihr diesen Leuten?
M.A. Denen haben wir schon geantwortet. Wenn
die ArbeiterInnenbewegung auf unserer Seite wäre, dann wäre es schwer für
Kämpfe wie den unseren von dessen Zielen abzurücken. Wenn aber die
ArbeiterInnenbewegung auf Distanz geht, dann versuchen die ArbeiterInnen (als
Individuen) Wege zum Überleben zu finden, und hier liegt die Gefahr der Wendung
zum Bürgerlichen.
N.P. In den Streiks der letzten Zeit seid ihr
auf Distanz gegangen, nicht nur zur GSEE, sondern auch zur PAME und zur
Koordination der Basisgewerkschaften. Wie seid ihr zu dieser Entscheidung
gekommen?
M.A. Alle diese Entscheidungen sind in der
Vollversammlung gefällt worden. Was ich meine, ist, dass nicht die Leitung
unserer Gewerkschaft vorschlägt, wem wir nahestehen sollten – im Grunde
fungieren wir gar nicht als Leitung – obwohl uns dieser Punkt immer ein
Anliegen ist. Er wird immer in der Vollversammlung diskutiert, wo dann auch die
Entscheidungen getroffen werden. Die Vollversammlung nimmt diesen Standpunkt
aufgrund gewisser Beobachtungen ein, die ich aber hier nicht erläutern möchte.
N.P. Du möchtest uns nicht erzählen, welche
Beobachtungen die ArbeiterInnen tatsächlich gemacht haben?
M.A. Anfangs ist unsere Gewerkschaft immer ins
Arbeiter N.P. zentrum gegangen. Dort haben wir gesehen, dass ihre
Einstellung nicht die war, die wir uns erwartet Haben. Anders gesagt, und das
ist nur ein Beispiel, bei unserer Teilnahme an einer Diskussion über
Streikbewegungen haben uns verschiedenste Personen gesagt, wir sollten uns an
unsere Bosse wenden, damit die ihr Kapital zurückbringen. Damit waren wir nicht
einverstanden und wir sind auf die Suche nach einer klassenspezifischeren
Lösung zur PAME gegangen. Dabei sind wir, wie auch immer, an einen Punkt
gekommen, an dem wir die einzige Basisgewerkschaft waren, die gemeinsam mit der
PAME die Fahne hochgehalten haben. Aber die PAME gab vor, uns nicht zu
bemerken, weil sie in verschiedenen Punkten mit uns nicht übereinstimmte. Es
ist richtig, dass die PAME einen klaren Klassenstandpunkt hat, aber könnte
jemand sagen, wir als Basisgewerkschaft hätten keinen? Die Tatsache, dass wir
mit der PAME in gewissen Punkten nicht einer Meinung waren, bedeutet doch
nicht, dass wir Gegner sind. So, um sicher zu sein: der Grund, warum die
Einstellung der PAME uns gegenüber nicht so ist, wie ihn sich vielleicht die
Vollversammlung erwartet hätte, liegt darin, dass wir nicht in allem mit ihr
übereinstimmen und ihren Ratschlägen nicht blind folgen. Das war schließlich
ausschlaggebend für unsere Entscheidungen.
M.A. Wir können nicht sagen gegen uns, aber
wir haben sie sicherlich nicht als auf unserer Seite stehend empfunden. Das ist
das Üble daran. Und ich muss sagen, dass bei vielen Veranstaltungen, die zu
unserer Unterstützung in verschiedenen Städten stattgefunden haben, es immer
wieder einzelne Mitglieder der PAME gegeben hat, die zum Ausdruck gebracht
haben, dass sie unserem Kampf und der Art, wie wir unsere Forderungen erheben,
positiv gegenüber stehen.
N.P. Im Oktober fand eine große Karawane der
Solidarität statt, die in Thessaloniki begonnen hat und weiter nach Larissa und
Volos bis nach Athen gezogen ist. Wie würdest du diese Erfahrung charakterisieren?
M.A Ich werde dir lieber erzählen, was meine
KollegInnen gesagt haben, als dass ich es selber beschreibe. Viele KollegInnen
waren bis zu einem bestimmten Zeitpunkt skeptisch und haben nicht gewusst, ob
sie mitmachen sollten oder nicht. Aber nachdem die Karawane vorüber war, haben
sie ganz klar gesagt, wenn sie noch einmal, auch am nächsten Tag losgehen
würde, so würden sie wieder dran teilnehmen.
N.P. Hattet ihr irgendwelche Reaktionen
seitens der Eigentümer der Fabrik während dieser ganzen Zeit?
M.A. Bis zum jetzigen Zeitpunkt verhalten sie
sich passiv. Wir sind aber sicher, dass sie sich auf irgendeine Art und Weise
wieder `ins Spiel zurückbringen`. Unsere Entschlossenheit und wie machtvoll wir
sind wird in diesem Fall eine wichtige Rolle spielen.
N.P. Einige wollen die Beobachtung gemacht
haben, dass der Kampf bei BIO.ME in der letzten Zeit ein bisschen abgeebbt ist.
Was habt ihr euch für die nächsten Tage überlegt, damit euer Kampf wieder
auflebt?
M.A. Ich würde nicht abgeebbt sagen. Natürlich
hat er während der Weihnachtsfeiertage ein bißchen nachgelassen, aber wenn du
mit einem Wettlauf beginnst, dann musst du erstmal Gas geben, damit du Druck
erzeugen kannst. Wir denken, das passiert gerade jetzt, weil in der nächsten
Zeit werden einige Dinge stattfinden. Es gibt ein Treffen im (Arbeits-)
Ministerium, einige mehr allgemeine Treffen in Athen, um auszuloten, wie wir
mit einigen unserer Produkte Geschäfte machen könnten. Wir haben einen
Gerichtstermin gegen unseren Ex-Arbeitgeber und danach, am 8. Februar, beginnen
wir mit etwas ganz Neuem. Am Anfang steht ein Konzert am Tag eins, an dem so
bekannte Künstler wie Thanassis Papkonstantinou, Charoulis, Chainides und
andere teilnehmen werden. Und am 11. Februar wird etwas stattfinden, um mit der
Aufnahme der Produktion in der Fabrik zu beginnen.
N.P. Was genau habt ihr geplant für diese drei
Tage?
M.A. Es wird eine umgekehrte Karavane
stattfinden. Dieses Mal werden nicht wir in andere Städte reisen, sondern wir
werden Leute aus anderen Städten nach Thessaloniki einladen, um uns bei unseren
Aktivitäten, die am 8. Februar beginnen, zu unterstützen. Wir wissen nicht
genau, wann der Höhepunkt erreicht werden wird. Wir beginnen jedenfalls mit
einem Protestmarsch und dem Konzert am 8. Der Rest wird in der Fabrik
stattfinden, auf welche Art genau, das werden wir bald bekanntgeben.
N.P. Wird das auch von den Treffen, die ihr in
Athen habt, abhängen? Das heisst, wenn eure Gespräche mit dem Minister
erfolgreich enden, könnte es dann der Fall sein, dass ihr die Fabrik selbst
betreiben werdet?
M.A. Das werden wir auf bestimmte Art und
Weise versuchen . Also, wenn sich die Dinge im Zuge unserer Bemühungen ändern
und der Minister tätsächlich eine Lösung anbietet, dann ist das gut. Wir haben
den Ball an den Minister weitergespielt und gesagt, die Art und Weise, in der
die Fabrik arbeiten soll, liegt jetzt in seiner Verantwortung. Entweder auf
legale Weise oder besser gesagt, nach dem Buchstaben des Gesetzes oder, wie wir
sagen, entsprechend dem Gesetz als Recht derArbeiterInnen können wir die Fabrik
rechtmäßig in unsere Hände nehmen.
N.P. Wenn ihr die Fabrik übernehmt und
betreibt, wie glaubst du, dass ihr es schaffen werdet, dass ihr sie unter dem
Druck der ökonomischen Krise am Leben und gesund erhaltet? Habt ihr dazu Pläne?
M.A. Ja, es gibt einen Plan. Es ist ein großer
Unterschied zwischen dem was wir beanspruchen, und dem was da draußen
exisitiert. Wir behaupten, dass sogar auf diesem geschrumpften und verfallenem
Markt, eine Öffnung von unserer Seite aus, hin zu verschiedenen Arten von
Geschäften, auch hin zu anderen Ländern uns die Möglichkeit geben kann, die
Fabrik in dieser derzeit schwierigen Phase aufrechtzuerhalten. Das bedeutet
erstmal durchzuhalten und dann auf andere Weise weiterzumachen.
N.P. Der Kampf von BIO.ME wurde von vielen als
Pionierleistung bezeichnet, zumindest was die griechische Realität betrifft,
weil es einen Weg zeigt, den andere Fabriken gehen sollten, die in der gleiche
Lage sind. Hat es bis jetzt irgendeine Reaktion von anderen Arbeitern anderer
Fabriken gegeben, denen es gleich geht?
M.A. Ich würde es nicht als Pionierleistung
bezeichnen. Unsere Forderung ist die Urforderung arbeitender Menschen. Worauf
eine arbeitende Person, insbesondere ein in der Industrie arbeitender Mensch
hoffte, war auf die Übernahme der Produktionsmittel in die eigenen Hände, um so
für sich selbst zu produzieren. In diesem Punkt wenden wir uns an alle
arbeitenden Menschen, aber die bürgerliche Klasse setzt seit Jahrzehnten die
ArbeiterInnenklasse unter Hypnose, sodass die diesen Gedanken nicht denken
kann. Daher führt sie die Kämpfe auf befriedende, von der Bourgeoisie
bevorzugte Art und Weise. Ich muss es wiederholen; wir haben die Beispiele aus
der Vergangenheit genommen und wir glauben dass mit dem Setup, dass wir geplant
haben und der Charta, die wir verfassen werden, es uns gelingen wird, ein hohes
Maß an Kooperativität zu erlangen. Weil im Wesentlichen wird es eine
Arbeiterkooperative werden, die über eine bürgerliche Lösung hinausgehen soll.




