Schmutzige Hände - Griechenland dreht Seifenfabrik den Saft ab

Seifenfabriken sind in der aktuellen Corona Krise systemrelevant, könnte man denken. In der nordgriechischen Stadt Thessaloniki schien die staatliche Exekutive anderer Meinung zu sein. Um 6.30 Uhr am Montag unterbrach der staatliche Stromversorger DEI mit Unterstützung der griechischen Bereitschaftspolizei den Strom in der selbstverwalteten Genossenschaftsfabrik Vio.Me. Die Arbeiter*innen riefen daraufhin auf Facebook zur öffentlichen Unterstützung des Projektes auf.

Die Stromversorgung ist elementar für das Funktionieren der Seifenproduktion. Die Polizei hat sich zwar wieder zurückgezogen, die Beschäftigten benötigen zum Aufrechterhalt des Betriebs nun Generatoren. »Diese Aktion ist kein Zufall« sagte Makis Anagnostou, Mitglied des Projekts und Vertreter der Betriebsgewerkschaft von Vio.Me, gegenüber dem »nd«. Während der Corona-Verbote versuche der Staat, die Situation auszunutzen und neue Tatsachen zu schaffen, mutmaßte er. »Inmitten der Krise finden vermehrt Angriffe auf Arbeiterrechte statt und diese Intervention im Morgengrauen erinnert an Aktionen aus Zeiten der Militärdiktatur.«
Vio.Me (Viomichaniki Metalleftiki) wurde 1982 als eine von drei Tochterfirmen der Filkeram AG gegründet, die der Familie Filippou gehört. Als diese im Mai 2011 Konkurs anmeldete, besetzten die 30 verbliebenen Vio.Me-Arbeiter*innen ihre Fabrik und stellten seit 2013 die Produktion auf ökologische Reinigungsmittel um. Ohne Chef, ohne ein festes Anstellungsverhältnis und ohne Hierarchien. Das selbstorganisierte Team will mit dieser demonstrativen Weiterführung ein Zeichen setzen: gegen den Kapitalismus und gegen Abhängigkeitsverhältnisse. Alle Mitarbeiter*innen profitieren in gleichen Teilen am Gewinn, anfallende Tätigkeiten werden nach dem Rotationsprinzip durchgetauscht.

Vio.Me wurde zum Symbol der Selbstorganisierung, die Handseife wird auch im »nd«-Online-Shop angeboten. 2016 folgte die offizielle Anerkennung als Sozialkooperative.
Mittlerweile war es still um das Projekt geworden, doch für die Beschäftigten handelt es sich um eine trügerische Ruhe. Im Insolvenzverfahren forcieren die Familie Filippou und der Konkursverwalter die Zwangsversteigerung der noch vorhandenen Vermögenswerte von Filkeram. Das Projekt gilt immer noch als illegale Besetzung und befürchtet daher weiterhin Repression seitens des griechischen Staates. Die Stromabschaltung bestätigte die Befürchtungen.

 Von John Malamatinas, https://www.neues-deutschland.de/artikel/1134980.vio-me-schmutzige-haende.html